Vereinshistorie

Die Anfänge

Während Konrad Duden im Jahre 1880 das „vollständige orthographische Wöterbuch der deutschen Sprache“ in Leipzig veröffentlicht und damit sein lebenslanges Bestreben nach der Vereinheitlichung der deutschen Sprache krönt, wird in Köln im selben Jahr nach über 630 Jahren Bauzeit der Kölner Dom eingeweiht.

Zu dieser Zeit regiert Kaiser Wilhelm I. Deutschland. Eine seiner Töchter – Prinzessin Luise Marie Elisabeth – ist mit Großherzog Friedrich I. von Baden verheiratet. Und wie jedes Jahr feiert der Großherzog am 9. September seinen Geburtstag. Und so kommt es, dass in einem kleinen kurpfälzischen Dorf der damalige Rathsschreiber Karl Lösch dienstbeflissen eine Anordnung an die Gemeindekasse verfasst, mit der Anweisung, “…an die Musikgesellschaft dahier vertreten durch Philipp Rey als Vorstand…” für das Musizieren anlässlich dieses Geburtstages den Betrag von 15 Mark auszubezahlen. Der Musikverein Plankstadt war geboren.

Nicht, dass es zuvor keine musikalischen Tätigkeiten in Plankstadt gegeben hätte: aus dem Kassenbuch dokumentieren frühere Eintragungen das Vorhandensein eines regen musikalischen Lebens – nur wurde im Jahre 1880 zum erstenmal der Zusatz „Vorstand“ verwendet. Und dieses Indiz belegt die Gründung des Vereins nun einmal eindeutig.

Für die Folgejahre ist ein lückenloser Werdegang des Musikvereins schwer nachzuzeichnen. Dies liegt zum einen an den eher spärlichen Angaben im Rechnungsbuch der Gemeinde. Zum anderen machen häufige Namenswechsel dem Historiker das Leben schwer: während in den 1880er Jahren eher schmucklose Namen wie „Musikverein“ und „Musikkapelle“ dokumentiert sind, zeugen die Bezeichnungen der 1890er Jahre bis hin ins neue Jahrhundert von einer gewissen Kreativität in der Namensgebung. Belege finden sich hier gleichermaßen für eine Musikgesellschaft „Fidelio“ wie für die Musikgesellschaft „Edelweiß“. Auch von einer Feuerwehrkapelle ist in den historischen Unterlagen die Rede. Belegt ist eine Fusion mit der Feuerwehr erst für das Jahr 1907. Ausschlaggebend waren hier wohl unter Anderem hohe finanzielle Lasten, die der Musikverein bisher alleine zu tragen hatte. So gelangte der Verein in sicheres Fahrwasser und konnte sich von nun an der Gestaltung des musikalischen Lebens in Plankstadt widmen.

Der Erste Weltkrieg setzte diesem Bestreben ein jähes Ende. Wir können davon ausgehen, dass die Vereinstätigkeiten in dieser Zeit erheblich litten. Erst Anfang der zwanziger Jahre war das reguläre Vereinsleben wieder vollends intakt.

Die 20er Jahre

Große Welt- und wirtschaftpolitische Ereignisse schlagen sich in diesen Tagen auch in Plankstadt nieder. So musste der Vorstand bei der Hauptversammlung 1924 im Gasthaus „Zur Sonne“ den Kassenbericht selbst verlesen, da der eigentliche Kassier zuvor fluchtartig verschwand. Im Protokoll des Schriftführers steht dazu erklärend: „Infolge der Geldinflation ist eine fast unüberwindliche Arbeit an den Kassierer herangetreten…“.

Die öffentliche Präsenz in der Gemeinde nahm in den zwanziger Jahren immer mehr zu. Veranstaltungen wie Bälle, Ausflüge, Konzerte, Waldfeste und eine Weihnachtsfeier waren in diesen Tagen fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders der Gemeinde. Interessant auch die Tatsache, dass der Musikverein die damaligen musikalischen Strömungen aufgriff, indem er sich in drei verschiedene Orchestergattungen aufsplitterte: ein Streichorchester, ein Salonorchester und ein Blasorchester. So konnte auf individuelle Anforderungen seitens der Musikliteratur genauso Rücksicht genommen werden, wie auf die persönlichen Vorlieben der Musiker. Auch außerhalb von Plankstadt verschaffte man sich musizierend Gehör und so versorgte der Musikverein auch die musikalischen Bedürfnisse der Nachbargemeinden.

Die 30er und 40er Jahre

Im Jahre 1930 feierte man erstmalig ein Jubiläum: 50 Jahre Musikverein Plankstadt. Im selben Jahr wurden Noten des Wiener Walzerkönigs angeschafft. Die schlechte wirtschaftliche Lage, die die ganze Welt in Atem hielt, sorgte auch in der Vorstandschaft des Musikvereins für einige Sorgenfalten. Man machte sich ernsthaft Gedanken, die jährlichen Ausflüge zu streichen, da diese zu teuer seien, und am Ort zu bleiben, um „der hiesigen Gemeinde zu nützen“.

Unter dem Banner des nationalsozialistischen Regimes sah die Entwicklung vieler Vereine in den folgenden Jahren ähnlich aus. Das Schlagwort „Gleichschaltung“ machte die Runde und sollte Gruppen und Vereinigungen, die möglicherweise Ansatz zum Widerspruch oder gar Widerstand boten, mundtot machen. Auswirkungen hatte dies freilich auch für den Musikverein Plankstadt: das Liedgut änderte sich ebenso radikal wie die Atmosphäre innerhalb des Vereins und die Anlässe, zu denen musiziert wurde.

Die 50er und 60er Jahre

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“ Für diejenigen, die nach den Schrecken des Krieges und der Terrorherrschaft der Nazis dem Musikverein Plankstadt zu neuem Leben verhalfen, mag dieser Zauber nicht nur im Neubeginn sondern auch in der Musik selbst gelegen haben. Eine gewisse Basis war zwar noch vorhanden, aber alleine darauf konnte man nicht bauen. So unterstützte zum einen die Gemeinde Plankstadt den Verein, indem sie ihm Instrumente zur Verfügung stellte. Zum anderen strebte man wieder eine Fusion mit der Feuerwehr an. Interesse daran bestand auf beiden Seiten. Die Fusion kam 1949 zustande. Ein neuer Dirigent – Anton Weißgärber – war nunmehr für die musikalische Leistung der Kapelle verantwortlich. Ihm war es auch zu verdanken, dass die Kapelle sich musikalisch rapide weiterentwickelte und neue Wege ging. Trotz des Zusammenschluss‘ mit der Feuerwehr bewahrte sich der Musikverein seine Autonomie und feierte im Jahre 1955 sein 75-jähriges Bestehen mit einem dreitägigen Fest, zu dem viele Gastvereine aus der Umgebung eingeladen waren. Ab Mitte der 60er Jahre hatte sich nicht nur die Besetzung der Kapelle radikal „verjüngt“, auch der musikalische Stil schlug eine modernere Richtung ein, nämlich Musik im Bigband-Sound. Einer der Hauptinitiatoren war Karl Klein. Unter dem Namen „Charlies Bigband“ feierte die Kapelle in den 60er und 70er Jahren bei vielen Anlässen große musikalische Erfolge, wie zum Beispiel die legendären Auftritte bei den deutsch-amerikanischen Volksfesten in der Patrick-Henry-
Village. Hierbei spielte die Bigband an jedem der acht Abende im Festzelt auf.

Die 70er Jahre

In dieser Zeit veranstaltete der Musikverein zum Teil unter Mitwirkung befreundeter Gastkapellen regelmäßig Konzerte. Als Beispiele seien hier nur zwei Konzerte erwähnt: 1969 mit der Musikkapelle „Harmonie“ Ketsch und 1970 mit dem Blasorchester der Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG. Immer die Verbundenheit mit dem Heimatort vor Augen, bereicherte der Verein das öffentliche Gemeindeleben mit zwei Konzerten: am 14.11.1971 lud der Verein zum „Jubiläumskonzert anlässlich des 1200-jährigen Bestehens der Gemeinde Plankstadt“ ein. Zwei Jahre später, am 18.11.1973, spielten die Musiker bei einem Konzert auf, dessen Reinerlös dem Fonds der Gemeinde Plankstadt zur Errichtung der Mehrzweckhalle zur Verfügung gestellt wurde.

Die 80er Jahre

Im Jahre 1980 feierte man im großen Stil das 100-jährige Bestehen des Musikvereins. An drei aufeinander folgenden Tagen bot sich dem Publikum ein ebenso abwechslungsreiches wie anspruchsvolles Programm, das unter anderem die Kapelle unter der Leitung von Anton Weißgärber dem Zuhörer präsentierte. Eine große Ehre wurde dem Musikverein zuteil, als dem ersten Vorsitzenden Karl Klein, stellvertretend für den Musikverein Plankstadt e.V., im Rahmen der Feierlichkeiten die „Zelter-Plakette“ zum 100-jährigen Bestehen überreicht wurde.

Ab 1981 übernahmen Eugen Mehrer als erster Vorsitzender sowie Reinhold Gund als Dirigent
die Geschicke des Vereins und der Kapelle. In dieser Zeit forcierte der Musikverein seine
Jugendarbeit. Eine neu gegründete Jugendkapelle erlangte großen Zuspruch, so dass bereits wenige Jahre später eine ca. 20-köpfige Jugendkapelle musikalisch für Furore sorgte. Den Jugendleitern Eugen Mehrer und Oliver Klis ist es zu verdanken, dass die Jugendkapelle, z.B. bei Jugendkritikspielen, beachtliche Erfolge erzielen konnte.

Herausragende Auftritte der Kapelle dieser Tage waren unter anderem die Bockbieranstiche der Weldebrauerei in der Mehrzweckhalle und das Schlossplatzfest in Schwetzingen, die man über mehrere Jahre musikalisch begleitete. Natürlich durften in dieser Zeit Konzerte des Musikvereins nicht fehlen: So spielte die Kapelle am 17. April 1988 in der Mehrzweckhalle auf. Der Reinerlös dieses Konzertes war für die örtlichen Kindergärten bestimmt – ein weiterer Beweis für das soziale Engagement des Musikvereins.

Die 90er Jahre

1990 konnte der Musikverein die Feierlichkeiten seines 110-jährigen Bestehens begehen. Der Vorstand des Vereins unter dem 1. Vorsitzenden Erich Heid hatte ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt. Höhepunkte dieses Jubiläums war das Konzert des Musikvereins, aber auch das Frühschoppenkonzert der US-Army-Band, die beide begeistert von den Zuhörern aufgenommen wurden. Zu diesem Anlass wurden neue Uniformen für die Bigband angeschafft, die während des Konzertes zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Ein weiterer Meilenstein der Festlichkeiten war der Bockbieranstich, der erstmals vom Musikverein ausgerichtet und zu einem großen Erfolg im Jubiläumsjahr wurde.

Einen Einbruch erlebte der Verein in den 90er Jahren. An die erfolgreiche Jugendarbeit vergangener Jahre konnte trotz großer Bemühungen nicht angeknüpft werden. Aufgrund anderer musikalischer Verpflichtungen traten die jährlichen Konzerte der Bigband in den Hintergrund.

Die Kapelle stellte ihr musikalisches Können ausschließlich bei Auftritten der besonderen Art
unter Beweis, so z.B. bei der 1225-Jahr -Feier der Gemeinde Plankstadt, an der die Kapelle das gesamte Rahmenprogramm begleitete.

Mehrere Wechsel an der Vereinsspitze sind Zeitzeugen des letzten Jahrzehntes im ausgehenden 20. Jahrhundert: ab 1991 gab Monika Maurer den Ton im Musikverein an, ihr folgte im Juni 1997 Heinz Ochs, der bis Anfang 2005 die Geschicke des Vereins lenkte. Die Wiederbelebung des Kerwetanzes, der jahrelang vom Veranstaltungskalender der Gemeinde verschwunden war, zeigt deutlich das Interesse, mit dem der Musikverein sich im öffentlichen und sozialen Leben der Gemeinde präsentierte.

Auch engagierte man sich beim jährlichen Weihnachtsmarkt der Gemeinde Plankstadt, dessen Erlös der Notgemeinschaft Plankstadt zugute kam.

Das neue Jahrtausend

Zum Ende des Jahrtausends übergab Reinhold Gund das Dirigat an Michael Heid, jahrelang selbst aktiver Musiker, Jugendleiter und stellvertretender Dirigent. Ein frischer Wind wehte durch die Kapelle und blies manch angestaubtes Musikstück aus den Notenmappen. Michael Heids Vision einer Wiederbelebung des Bigband-Sounds nahm mehr und mehr Gestalt an.

Der neue Dirigent nutzte die solide Basis, die sein Vorgänger Reinhold Gund aufgebaut hatte, um die musikalische Qualität weiter zu steigern. Ein neues Probenkonzept, moderne Arrangements und konzentrierte Orchesterarbeit machten die Kapelle des Musikvereins Plankstadt zu dem, was sie heute ist: eine Bigband, die in „…nahezu allen klanglichen Sätteln fest sitzt und ein großartiges und anspruchsvolles Repertoire aufweist“ (Zitat: Schwetzinger Zeitung vom 20.07.2000).

Seit Februar 2013 lenkt Horst Richter als 1. Vorsitzender die Geschicke des Vereins. Seine Vorgänger im Amt des 1. Vorsitzenden waren seit 1880 unter Anderem:

Phillip Rey 1880 – ????
Johann Seitz 1924 – 1930
Wilhelm Angstmann 1930 – 1956
Hermann Hoffmann 1956 – 1961
Hans Hillenbrand 1961 – 1963
Hermann Hoffmann 1963 – 1971
Karl Klein 1971 – 1981
Eugen Mehrer 1981 – 1989
Erich Heid 1989 – 1991
Monika Maurer 1991 – 1997
Heinz Ochs 1997 – 2005
Hans Bender 2005 – 2013
Horst Richter  2013 – 2018

Diese Exkursion durch die belebte Vereinsgeschichte erhebt mitnichten Anspruch auf Vollständigkeit. Lücken in der Vereinshistorie, gerade aus frühen Tagen und den beiden Weltkriegen, erschwerten eine ausführlichere Zusammenfassung der Vereinschronik. Trotz alledem haben wir versucht ein detailliertes Abbild der Vergangenheit des Vereins wiederzugeben.

Es ist immer schwer, die Balance zwischen Tradition auf der einen und Anpassung am aktuellen Zeitgeist auf der anderen Seite zu finden. Es zeigt sich, dass der Verein nur so lange bestehen konnte, weil sich immer wieder Frauen und Männer gefunden haben, die in unermüdlicher und ehrenamtlicher Arbeit Zeit und Mühe investiert haben, dieses Gleichgewicht zu finden und das Kulturgut “Musik” in der Gemeinde Plankstadt zu bewahren und zu pflegen.

Das Fundament für die nächsten Generationen ist gelegt: eine solide Jugendarbeit, eine eingespielte Vorstandschaft und motivierte Musikerinnen und Musiker ermöglichen einen beruhigenden Blick in die Zukunft.

2030 steht das 150-jährige Jubiläum an. Dass der Musikverein Plankstadt e.V. auch dieses
Jubiläum feiern kann, ist unser aller Wunsch!

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